Freundliche Übernahme und ein Save the date

Hallo, Hello, Salut, Hola, Hei, Merhaba und Salām!

Bei der letzten LVT in Mannheim wurden wir –Till aus dem Karlsruher Naturkundemuseum und Michael aus dem Badischen Landesmuseum – als neue Blogwarte gewählt. Wir haben uns überaus gefreut und möchten euch in Zukunft mit Informationen, Anregungen und Gedanken rund um das Thema Volontariat im Museum sowie Anekdoten über die kleinen Freuden und Probleme des (Arbeits-)Alltags versorgen. Damit das keine einseitige Sache wird, freuen wir uns über jegliche Wünsche, Ideen, Kritik und wir sind dankbar für eigene Beiträge – schreibt uns!

Mit der Übernahme lösen wir Viktoria und Carolyn ab, die in den wohlverdienten Volo-Ruhestand aufbrechen. Einen herzlichen Dank an dieser Stelle für das Engagement und die tollen Beiträge und viel Erfolg in der großen weiten Welt! Nachdem der Blog einige Wochen geruht hat (wie das nun mal so ist: Arbeit, Sommerurlaub, komplizierte Terminfindung, noch mehr Arbeit), wollen wir den Blog nun wieder mit Leben füllen.

Wir beginnen auch gleich provokativ mit einigen brisanten Fragen, über die wir uns beinahe täglich den Kopf zerbrechen:

Warum mag der Kurator den Pressereferenten nicht? Wie hat sich der Wandel von der Basteltante zum Kulturvermittler vollzogen? In die Ecke verkriechen oder schuldbewusst besänftigen – Was tun, wenn ein Shitstorm über das Museum zieht?

Diesen und weiteren Fragen können wir uns gemeinsam am 1. und 2. Februar 2018 stellen. Dann findet nämlich in Karlsruhe die nächste Landesvolontärstagung statt. Wir ihr sicherlich bereits richtig erahnt habt, geht es um die Bereiche Vermittlung und Öffentlichkeitsarbeit. Seid gespannt!

Till & Michael

Noch auf keinen grünen Zweig gekommen…

Bewerbungsgespräch

Stellt Dir vor, du fährst zu einem Bewerbungsgespräch und Dir wird schon bei der ersten Frage der verantwortlichen Person klar, dass sie Deine Unterlagen noch nicht einmal durchgelesen hat. Oder Du sitzt im Gespräch und wirst gefragt, warum Du im fortgeschrittenen Alter noch auf keinen grünen Zweig gekommen bist. Oder Du schickst eine Bewerbung per Mail fristgerecht (am letzten Tag) ab und erhälst als Antwort, dass sie leider nicht berücksichtigt werden kann, weil die Frist bereits vorbei war. Auf telefonische Nachfrage wird Dir gesagt, die Frist sei um zwei Tage vorverlegt worden, da schon so viele Bewerbungen eingegangen sind. Seriously??? Das sind nur drei Szenarien, die Freunden und mir passiert sind. Und sie machen mich wütend. Nicht, weil man den Job voraussichtlich wohl nicht bekommen wird, sondern weil es respektlos ist.

Man bemüht sich, keine 0815-Bewerbung zu formulieren, zahlt die Fahrtkosten selbst und sitzt gut vorbereitet und mit feuchten Händen in langen Fluren, um dann mit unverschämten oder „falschen“ Fragen konfrontiert zu werden. Selbstverständlich und glücklicherweise machen solche Erlebnisse nur einen kleinen Teil aus, doch sie sind es, die sitzenbleiben.

Habt Ihr auch schon ähnliche Erlebnisse gemacht? Wir sind gespannt auf Eure Kommentare!

Eure Viktoria und Carolyn

Quelle Comic: http://funcloud.com/44457

Ist weniger gleich mehr?

Mit diesem Titel fand vom 3. bis zum 5. März die diesjährige Bundesvolontärstagung in Berlin statt.

BVTBerlin

Ein abwechslungsreiches Programm erwartete die ca. 300 Volontäre. Viele davon waren sicher genauso gespannt auf das Format „Barcamp“ wie ich, doch dazu später.

Mit dem alt bekannten und viel diskutierten – doch immer noch nicht ausdiskutierten – Thema „Was lange währt, wird endlich gut? Das Volontariat als Ausbildungsverhältnis“ startete die Tagung mit einer Podiumsdiskussion. Bei der leider mal wieder deutlich wurde, dass wir VolontärInnen selbst für eine vergleichbare Qualifikation unserer Volontariate kämpfen müssen. Denn, so Ulrike Stottrop als Vertreterin des Deutschen Museumsbundes, sei der DMB zwar führend in der Neukonzeption des Leitfadens Volontariat, jedoch bliebe die Umsetzung allein den Häusern überlassen, da der Verband keine Prüffunktion einnehme.

Unterhaltsamer waren dem gegenüber die 20-minütigen Impulsvorträge von Armin Klein (Professor für Kulturmanagement und Kulturwissenschaft am Institut für Kulturmanagement in Ludwigsburg), Anja Dauschek (Direktorin des Altonaer Museums in Hamburg) und Léontine Meijer-van Mensch (Programmdirektorin im Jüdischen Museum Berlin). Die drei ReferentInnen gingen den Fragen nach, wie viele Museen benötigt Deutschland überhaupt? Wie viele Sonderausstellungen kann ein Haus in einem Jahr tragen? Und können wir Sammlungen bewahren obwohl sie nicht in Museen angehäuft werden? Weniger gleich mehr war die Quintessenz von allen.

Nun zurück zum Anfang: Format „Barcamp“, viel diskutiert: Wie soll das funktionieren, wer bringt denn dort Themen ein, wie viele kommen überhaupt Samstagmorgen um 09:00 Uhr? Viele waren skeptisch, fast alle neugierig. Daher fanden sich gefühlt alle ca. 300 Volontäre am Samstagmorgen um 09:00 Uhr im Deutschen Technikmuseum ein. Viele brachten ihre Themen ein, so dass von einer „Selbsthilfegruppe von Restauratoren“ über eine Vernetzungsgruppe der Gedenkstätten bis hin zu Gruppen, die über Evaluation, Museumspädagogik oder die Frage: Volontariat/Ausbildung ins Gespräch kamen. Am Ende des Tages waren gefühlt immer noch alle dabei und die Erkenntnis des Tages: Barcamp ist ein tolles Format um die Tagungsteilnehmenden und ihre Themen in den Fokus zu rücken, den Austausch zu fördern und eine Gruppe von ca. 300 VolontärInnen zu begeistern. Dafür ein herzliches Dankeschön an das Orga-Team Berlin!

Folglich bleibt mir diese BVT als eine sehr gelungene und aktive Tagung in Erinnerung, bei der ich zum ersten Mal das Gefühl hatte, es geht um uns…VolontärInnen!

Eure Carolyn und Viktoria

Foto: Viktoria Imhof

Einfach keinen Bock?

Nö_danke

Warum geht man ins Museum? Interesse am Thema einer Ausstellung, am spezifischen Angebot des Museums oder an Kultur generell werden die häufigsten Antwort sein. Das sind jedoch nur etwa 10 % der Bevölkerung in Deutschland. Aber warum geht man nicht ins Museum oder eine andere Kultureinrichtung? Und dazu zählt nicht, dass man es sich zwar vorgenommen hat, eine bestimmte Ausstellung anzuschauen und es dann schlichtweg nicht geschafft hat, sondern das aktive Fernbleiben.

Sind Bildungsferne, hohe Eintrittspreise oder einfach kein Interesse die einzigen Gründe? Der Beitrag auf www.zukunft-museum.de geht dem nach und versucht Lösungsansätze aufzuzeigen. Ein Vorschlag sieht vor, Menschen zur Teilnahme zu animieren, indem man Inhalte mit Bezug zu deren Lebensrealität wählt. Doch ist das für viele Einrichtungen überhaupt umsetzbar? In Zeiten immer größerer Sonderausstellungen müssen bekannte Namen oder spannende Themen die Massen locken. Für Input, um diverse andere Zielgruppen zu locken, ist da meist kein Raum und auch kein Wille. Und wie wählt man die zu ködernde Gruppe aus? Orientiert man sich an lokalen Begebenheiten? Am Thema, das Möglichkeiten zur Vertiefung bietet?

Ein Satz stößt mir etwas auf: „Es lässt sich wohl darüber streiten, ob sich Besuchende in einer Kultureinrichtung wohl und unterhalten fühlen müssen.“ Unterhaltung kann auf vielfältige Weise geschehen. Es muss kein durchgestyltes Event geboten werden, Unterhaltung beginnt beim Neugierigmachen und besonders beim Wohlfühlen. Wenn ich mich nicht wohl fühle, gehe ich kein zweites Mal hin. Begrüßt mich aber das Kassen- oder Aufsichtspersonal freundlich und hilft mir zu wissen, was mit meiner Jacke und meiner Tasche passieren muss, fühle ich mich schon mal zumindest angenommen.

Vielleicht muss es im ersten Schritt noch nicht das große Ganze betreffen, sondern man beginnt eine Atmosphäre zu schaffen, die Ressentiments abbaut und auch zu einem zweiten Besuch verleitet.

Was haltet Ihr von diesem Beitrag? Gibt es an Eurer Einrichtung Konzepte zur Besuchergewinnung?

Wir sind gespannt auf Eure Beiträge.
Eure Viktoria und Carolyn

Foto: Carolyn Stritzelberger

 

 

 

Fair statt prekär…

Dass sich während des Volontariats viel um Geld oder vielmehr um dessen Knappheit dreht, ist uns allen bekannt. Das Gehalt spiegelt kaum die Leistung und Arbeit wider, die jeder von uns verrichtet. Diesen Weg schlägt man nicht ein, um mal reinzuschnuppern oder das schnelle Geld zu machen, das muss man wollen. Selbstverständlich orientieren sich auch einige um und kehren Kulturbetrieben den Rücken. Doch dies ist nur ein kleiner Teil, das Gros der ehemaligen Volontärinnen und Volontäre bleibt in diesem Bereich. Die Gründe sind vielseitig, doch alle verbindet die Lust und der Wille, auch unter „schlechten“ Bedingungen Kultur zu vermitteln und die einst gewählten Studienfächer einzubringen.

Der folgende Beitrag befasst sich mit dem Wert von Kultur und wie die Arbeit in Kulturbetrieben zukünftig aussehen müsste, um attraktiv zu bleiben und besonders Volontärinnen und Volontären eine angemessene Ausbildung und Bezahlung zu gewährleisten und deren Abwanderung zu verhindern. Dazu äußert sich auch Jens Bortloff, Kaufmännischer Direktor des TECHNOSEUM und einer der Redner der Podiumsdiskussion der Landesvolontärstagung in Stuttgart vom Januar. Er findet klare Worte und benennt Missstände – viel klarer als auf besagter Tagung. Eine schnelle und endgültige Lösung bietet er aber nicht, Volontärinnen und Volontäre sind weiterhin auf den Goodwill ihres Arbeitgebers angewiesen. Aber ein Schritt in die richtige Richtung ist es dennoch und es lohnt sich, für bessere Rahmenbedingungen einzutreten.

Wir freuen uns über Eure Kommentare zu diesem vielschichtigen Thema!

Eure Viktoria und Carolyn

https://musermeku.org/2017/03/01/kulturarbeit/

 

Bilder vs. Museum

Bilder im Museum!? Ein Thema, das die meisten von uns in der Zeit des Volontariates sicher schon als heikle Angelegenheit mitbekommen haben.

Hier ein interessantes Interview zum Thema Bildrechte. Besonders in unserer medialen Welt der Kultureinrichtungen ein wichtiges und wie anhand der Kommentare zu sehen viel diskutiertes Thema.

https://musermeku.org/2017/02/08/bildrechte-im-museum/

Wie sind die Regelungen bei euch am Museum?

Eure Carolyn und Viktoria

Oh WOW, welch erkenntnisreiche Landesvolontärstagung!*

  1. Laut Studie werden 80% aller Volontariate von Frauen absolviert, die meisten aller Volontärinnen befinden sich in gebärfähigem, manche auch in -willigem Alter – die Volontäre sind da, wie der Mann an sich, zeitlich nicht so eingeschränkt.
  1. Ein ähnliches Bild ergibt sich im Saal: geschätzte 95% aller Anwesenden sind Volontärinnen, dennoch sprechen zu 95% Männer zu uns. Vielleicht wird auch deswegen die Debatte recht jäh unterbrochen, als die einzige Frau der Diskussionsrunde – allerdings „nur“ in ihrer Funktion als Moderatorin anwesend, nicht als Podiumsgast – den Themenkomplex „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ anspricht. Das ist offensichtlich nicht das favorisierte Thema der anwesenden Herren. Dennoch: Danke für Ihre mal mehr mal minder spannenden Beiträge! Aber, wo wart ihr, Frauen??

OK, bis hierher waren es noch keine überraschenden Neuigkeiten, diese nummerische Diskrepanz zwischen dozierenden Männern und zuhörenden Frauen sind wir, zumindest in der Kunstgeschichte, leider immer noch aus Studium und Arbeitsalltag gewohnt. Der nächste Fun Fact hätte mir zwar klar sein können, erscheint aber – v.a. im Hinblick auf Punkt 1 – enorm:

  1. Nur 4% aller Volontär*innen absolvieren das Volontariat mit Kind oder bekommen währenddessen ein Kind.

Ich bin eine von denen mit Kind. Und wie ich im Laufe der Tagung in unterschiedlichen Situationen erfahren durfte, scheint es ein Thema zu sein, das viele von euch beschäftigt. Deswegen möchte ich diesen Blog gerne nutzen, um ein wenig zu reflektieren, euch zu berichten, Rede und Antwort zu stehen und als Beispiel sichtbar zu werden für alle, die sich darüber Gedanken machen – Volontäre wie -innen. Meine Beiträge werden immer recht kurz ausfallen, da sie auf der Fahrt zwischen Arbeit und Zuhause entstehen müssen. Die Zeit ist knapp als Volontärin und Mutter, und strikt getaktet – aber dazu demnächst mehr…

Elisabeth

*Vielen Dank nochmals an das Stuttgarter Orga-Team! Es waren schöne zwei Tage und die Erkenntnisse waren um einiges vielfältiger, als es durch meine Fokussierung hier zum Ausdruck kommt!

Ein großes Dankeschön an Elisabeth für diesen Artikel, der den „Aufreger“ der Volontärstagung noch mal in den Fokus rückt.

Was meint Ihr dazu?

Eure Viktoria und Carolyn

img_3189Foto: Carolyn Stritzelberger