Social Media und du (und dein Museum)

Auf der letzten Volotagung in Esslingen hatte mich eine Mitvolontärin angesprochen, ob ich ihr vielleicht Ratschläge geben könnte, was Social Media für Museen betrifft. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich ihr nicht weiterhelfen, da ich meine Erfahrungen damit noch nicht geordnet hatte. Daher findet ihr jetzt in diesem Beitrag meine Ideen und Gedanken, die ich mir zu diesem Thema gemacht habe, ergänzend zum „learning by doing“.

Die Facebook-Seite meines Museums, die ich seit Juni 2013 administriere, findet ihr übrigens hier. Wenn ihr dort vorbeischaut oder gerne auch mal „Hallo!“ sagt, freu‘ ich mich drüber.

Kanäle
Welche Plattformen will dein Museum benutzen? Möglich ist beispielsweise Facebook (wenn auch oft totgesagt), Twitter, ein Museumsblog (eine Sammlung von Museumsblogs findet ihr hier), ein Forum, Google+, Tumbler, Apps (muss man programmieren lassen), Podcasts (Audiosendungen), Youtube-Videos.
Nicht alles mag für ein Museum sinnvoll sein oder vom Arbeitsaufwand her möglich: Könnt ihr ein gutes Video drehen? Habt ihr die Zeit, längere Blogbeiträge zu schreiben?

Zeitaufwand
Wieviel Zeit habt ihr am Tag/in der Woche/im Monat für Social Media? Auf den ersten Blick erscheinen diese Möglichkeiten kostenlos, doch das stimmt nicht ganz: Beiträge schreiben oder Bilder machen und bearbeiten kostet Zeit, und zwar nicht nur von euch, sondern vielleicht auch von Fotografen, Presseleuten, Wissenschaftlern.

Vielleicht entstehen auch weitere Kosten, zum Beispiel wenn ihr auf der Seite Eintrittskarten oder Preise verlosen wollt. Auch Weiterbildungen zum Thema kosten etwas.

Sinn
Was wollt ihr damit erreichen? Ich finde es spannend, die Arbeit im Museum und Museumsaktivitäten zu dokumentieren, vor allem die Dinge, die man vielleicht als Besucherin oder Besucher nicht so mitbekommt. Ihr könnt euch auch als Ziel setzen, möglichst viele Leser oder Fans zu erreichen (wobei man etwa bei einer öffentlichen Facebook-Seite nie sieht, wer unsichtbar mitliest, ohne angemeldet zu sein) oder zahlreiche Kommentare und Interaktionen mit den virtuellen Besucherinnen und Besuchern zu haben.
Auf Kommentare oder Fragen solltet ihr so zeitnah wie möglich reagieren, für einen „Tolle Ausstellung!“-Kommentar könntet ihr euch etwa bedanken oder auf Kritik mit Erklärungen oder sogar Veränderungen reagieren.

Inhalte
Wer ist für Inhalt und Ideen zuständig? Ich finde es grundsätzlich sinnvoll, wenn Leute, die mit einem Projekt betraut sind, dazu auch selbst etwas für das Social Media schreiben/gestalten, wenn das möglich ist. Sie sind stärker im Thema und bei großen Häusern bekommt ihr selbst nicht unbedingt mit, welche Projekte überhaupt alle laufen oder welche Fortschritte es dabei gibt, über die man etwas erzählen könnte. Ansonsten hilft: Nachfragen!

Einige Ideen für spannende Themen: Ausstellungsvorbereitungen, neue Ausstellungen, besondere museumspädagogische Aktionen (z. B. Ferienaktionen, Tag der Offenen Tür), Kurzporträts von Objekten, Interviews mit Mitarbeitern, Begrüßung/Verabschiedung von Mitarbeitern, Umbaumaßnahmen, neue Werbematerialien (z. B. Plakate, Flyer etc.), Facebook-Freitag (Museen empfehlen freitags die Ausstellungen anderer Museen), Blick hinter die Kulissen, Bilder aus der Dauerausstellung, Neuerungen des Hauses (z. B. Fotografieren erlaubt).

Inspiration findet ihr natürlich auch auf den Seiten der „Konkurrenz“ – wenn euch dort eine Idee gefällt, dann überlegt doch, ob sich diese (abgewandelt?) auch auf euer Haus anwenden lässt. Denkt aber natürlich daran, keine Texte oder Bilder zu „klauen“!

Bilder
Ohne Bilder geht es wahrscheinlich nicht. Es sollten natürlich interessante, gute Bilder sein, aber die machen auch viel Arbeit. Im Zweifel ist ein mäßiger Schnappschuss besser als kein Bild oder keine Meldung, finde aber ich. Wenn ihr die tolle Möglichkeit habt, Bilder machen zu lassen, dann überlegt euch gut, was das Bild zeigen soll und auch in welcher Ansicht oder welchen Ausschnitt. Wenn ihr erklärt, was ihr mit dem Bild sagen wollt und wofür ihr es braucht, können eure Fotografen besser arbeiten.

Man sollte auch das Format berücksichtigen: Bei Facebook beispielsweise funktionieren quadratische Bilder am besten, aber darauf kann man beim Motiv nicht immer Rücksicht nehmen.
Wer gestaltet Logos, Icons, Banner? Dafür und für die Bildbearbeitung benötigt man ein Programm wie Photoshop (kostet etwas) oder GIMP (Freeware). Macht dies euer Grafiker, macht (könnt?) ihr es selbst machen?

Ton
Willst du deine Leserinnen und Leser duzen oder siezen? Wie hat es das Museum bisher gehandhabt? Benutzt du eine geschlechtergerechte oder neutrale Sprache, zum Beispiel „Besucherinnen und Besucher“ oder „Eltern und Kinder“?

Aktualität
Social Media sollte so aktuell sein, wie ihr es schafft. Eine Facebook-Seite oder ein Twitter-Account, die nur einmal im Jahr eine neue Meldung bringen, sind eigentlich überflüssig.

Auf einem Blog kann meiner Meinung nach weniger häufig geschrieben werden – dafür sind die Beiträge ja auch meist länger. Wenn die Leute wollen, können sie sich per RSS eine Erinnerung schicken lassen (wie auch bei diesem Blog!), wenn ein neuer Blogbeitrag veröffentlicht wird. Bei Facebook hat man keinen Einfluss darauf, ob die eigene Meldung auch von den Nutzern auf deren „News“-Seite gesehen wird. Facebook hat eine eigene Berechnungsgrundlage, ob es deinen Beitrag den anderen Nutzern als Neuigkeit zeigt.

Neues Design
Facebook ist bekannt dafür, gerne Funktionen oder die Ansicht seiner Seiten zu verändern. Einfluss darauf nehmen kann man nur, indem man die Inhalte der eigenen Seite an das veränderte, vorgegebene Design neu anpasst. Bei einem eigenen Museumsblog kann man nach einigen Jahren überlegen, ob man selbst die Optik mal auffrischt oder ob das Museum mittlerweile den Hausstil verändert hat.
Grundsätzlich solltet ihr im Sinne eines „Corporate Design“ überlegen, wie ihr es schafft, eure Social-Media-Seiten an den Hausstil anzupassen. Dennoch ist dies auch ein Experimentierfeld, auf dem man auch mal etwas ausprobieren sollte.

Werbung
Soll eure Social-Media-Aktivität beworben werden? Wenn ihr neu damit anfängt, ist dies vielleicht sogar eine Pressemeldung in eurer regionalen Zeitung wert? Weist ihr auf Flyern und Plakaten und eurer eigenen Webseite darauf hin?

Wie messe ich den Erfolg?
Es ist zwar schön, wenn man stetig neue Fans dazugewinnt, aber die Anzahl der „Gefällt mir“s ist nicht das Maß aller Dinge, vor allem auch für kleine Häuser. Wichtiger ist es: Habe ich meine eigenen Ziele erreicht?
Man kann statistisch den Erfolg einzelner Beiträge auf Facebook auswerten lassen. Facebook und auch WordPress bietet dafür zum Beispiel eigene Tools an. Man kann dort analysieren, wie häufig ein Beitrag gelesen wurde oder wieviele Besucher zum Beispiel das Blog an einem bestimmten Tag hatte. Es gibt auch externe Seiten (dazu beim nächsten Beitrag mit Links zum Thema dann mehr).

An einem zweiten Beitrag mit nützlichen Links und Literaturhinweisen arbeite ich noch, er folgt dann in den nächsten Wochen.
Wenn ihr in den Kommentaren eigene Tipps ergänzen oder meine Ideen kommentieren wollt, seid ihr herzlich dazu eingeladen! Gerne könnt ihr auch die Seiten verlinken, die ihr selbst verwaltet, ob auf der Arbeit oder auch privat. Vielleicht habt ihr oder euer Haus eine ganz andere Strategie? Lasst es uns hören! :-)

Eure Blogadministratorin Miriam Anders

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